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Egon Reiche
Das dritte Gesicht und andere Erzählungen
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Ein sich dehnender Streifen trüben Herbstlichtes tastete sich über die grauen Fliesen in das Halbdunkel des Raumes vor, bis er auf das Fußende eines braunen Sarges fiel. Den Totengräber überkam das immer gleiche, unbezwingbare Gefühl des Alleinseins und der unsichtbaren Bedrohung. Er spürte den eisigen Hauch auf seinem Rücken, wie einen kurzen intensiven Schüttelfrost. In zwanzig Berufsjahren war er diese Ohnmacht nicht losgeworden. Ehe er den Raum betrat, tastete er nach dem Lichtschalter. Erst als die von einem Balken baumelnde Hundertwattbirne die Liegestatt des Toten erhellte, löste sich der Krampf in seinen Eingeweiden. Er ging hinein, ohne die Tür hinter sich zu schließen, als wolle er sich einen Fluchtweg offen halten. Er kannte alle Menschen im Dorf in der Betriebsamkeit ihres Lebens. Sie hier reglos und stumm wiederzusehen, brachte ihn jedesmal fast um den Verstand.
- ISBN 3-933377-33-1
- Dezember 2002
- 230 Seiten
- Leinen mit Schutzumschlag
- Fadenheftung
- Lesebändchen
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